Interview-Reihe „Hinter den Kulissen von PSYCHOnlineTHERAPIE“
- UUlm Psycholog:innen - 

- 09. November 2020

 

Interviewpartner: Universität Ulm, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie 
Jana Hoffstadt, M. Sc. wissenschaftliche Mitarbeiterin, Psychologin in Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin 
Maria Steinhoff, M. Sc. wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin

Wie würden Sie Ihren Großeltern (oder anderen älteren Mitmenschen) erklären, was Sie machen?

Maria Steinhoff: "Puh, das ist, wie ich selbst schon gemerkt habe, manchmal gar nicht so leicht. Ich würde Ihnen erklären, dass eine bestimmte Form der Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie, zu großen Teilen aus Erklärungen, Beispielen, dem Reflektieren individueller Situationen und dem Einüben neuer Denk- und Verhaltensweisen besteht. Daher ist es möglich, dass Patient:innen sich Teile der Therapie eigenständig aneignen und so beispielsweise neue Verhaltensweisen selbstständig im Alltag ausprobieren können. Früher wurde dies vielleicht mit handgeschriebenen Arbeitsblättern und Erklärfilmen auf Video gemacht – mittlerweile lässt sich das viel eleganter lösen, nämlich über das Internet. Patient:innen können so selbstständig Teile der Therapie im Rahmen von Online-Sitzungen absolvieren – wann und wo sie wollen. Gleichzeitig ist es natürlich für viele Patient:innen auch sehr wertvoll, persönlich mit jemandem über Ihre Probleme zu sprechen. Die neue Therapieform der verzahnten Psychotherapie will beides vereinen – mehr Flexibilität und geforderte Eigenständigkeit seitens der Patient:innen durch selbstständig zu bearbeitende Online-Sitzungen und gleichzeitig Raum für den persönlichen Kontakt und das Eingehen auf den Einzelfall. Bevor eine derartige neue Versorgungsform im großen Stil zugänglich wird, ist es sehr wichtig, sie zunächst im Rahmen eines Forschungsprojekts zu überprüfen. Und genau das ist das, was ich mache: ich helfe bei der Umsetzung dieser neuen Versorgungsform im Rahmen des Projekts PSYCHOnlineTHERAPIE."

Jana Hoffstadt: "Ich arbeite in einem großen Forschungsprojekt mit, in dem viele verschiedene Leute aus Unis, Krankenkassen und Berufsverbänden zusammenarbeiten. Wir wollen erforschen, ob Psychotherapie auch funktioniert, wenn Patient:innen zum Beispiel jede zweite Sitzung online machen – das heißt, sie würden da fertiges Material von den Therapeut:innen bekommen und selber bearbeiten. Das sind Erklärungen mit Schaubildern, Texte, Videos und Übungen, die extra für Menschen mit der gleichen Erkrankung und ähnlichen Problemen entwickelt wurden. Und wenn dann in der Studie rauskommt, dass diese Online-Sitzungen sich gut mit der normalen Psychotherapie kombinieren lassen, vielleicht können diese Online-Sitzungen dann irgendwann ganz viele Therapeut:innen nutzen. Die hätten dadurch dann mehr Zeit für andere Patient:innen, und die Patient:innen haben den Vorteil, dass sie die Online-Sitzungen egal wann und wo bearbeiten können."

Was erhoffen Sie sich von PSYCHOnlineTHERAPIE?

Jana Hoffstadt: "Ich würde mir wünschen, dass PSYCHOnlineTHERAPIE uns Psychotherapeut:innen mehr und flexiblere Möglichkeiten für die Behandlung von Patient:innen eröffnet. Meine Hoffnung wäre, dass Patient:innen durch verzahnte Psychotherapie schneller einen Therapieplatz bekommen, weil die Therapeut:innen mehr Kapazitäten haben. Eine Wartezeit von mindestens drei Monaten auf einen Psychotherapieplatz finde ich für niemanden zumutbar, der psychische Probleme hat. Außerdem glaube ich, dass internet- und mobile-basierte Interventionen (nicht nur wegen Corona!) ein zeitgemäßes, zukunftsrelevantes Thema sind und daher gut erforscht werden sollten."

Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie darf man sich einen typischen Tag bei Ihnen vorstellen?

Maria Steinhoff: "Ehrlich gesagt sieht bei mir jeder Tag anders aus. Meine Aufgaben hängen auch stark von der Projektphase, in der wir uns gerade befinden. Zu Beginn hatte ich viele Aufgaben im Bereich des Außenauftritts, z.B. die Erstellung der Website-Inhalte oder den Social Media Auftritt. Momentan dreht sich viel um die Rekrutierung und Schulung von Therapeut:innen, die gerne an PSYCHOnlineTHERAPIE teilnehmen wollen."

Maria Steinhoff, M. Sc.
Jana Hoffstadt, M. Sc.

Wie erging es Ihnen, als Sie angefangen haben, im Projekt PSYCHOnlineTHERAPIE zu arbeiten?

Jana Hoffstadt: "Als neue Mitarbeiterin, die jetzt in eine sehr „heiße Phase“ dazugekommen ist, bin ich vor allem beeindruckt von der Größe des Projekts und den vielen Beteiligten, die so eng für dieses Forschungsvorhaben zusammenarbeiten. Ich bin begeistert von den Möglichkeiten, die PSYCHOnlineTHERAPIE für die Zukunft der Psychotherapie bietet und hoffe, dass unsere Studie da einen wesentlichen Beitrag zum Fortschritt leisten kann. Am liebsten würde ich unsere Online-Module gleich selbst in der Arbeit mit Patient:innen einsetzen."

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

Maria Steinhoff: "Ich liebe mein Team und die Arbeitsatmosphäre hier bei uns an der Uni. Außerdem finde ich es toll, dass ich durch das Projekt Einblicke in die unterschiedlichsten Aufgaben- und Themenbereiche bei der Umsetzung eines derart großen Versorgungsforschungs-Projekts bekomme. Und natürlich bin ich total gespannt, wie verzahnte Psychotherapie bei Therapeut:innen und Patient:innen im Alltag ankommt und wo ggf. noch Verbesserungsbedarf besteht."

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